Ach Hamburch

Darüber wie es ist, seine Heimat zu vermissen, aber auch nicht mehr zu wissen, wie in ihr zu leben.

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Ich vermisse dich, liebe Hansestadt. Keine Stadt kann dir das Wasser reichen. Keine Stadt, die die Lücke füllen könnte. Hamburg ist nicht fancy, international und groß. Hamburg ist die Mitte. Hamburg ist das Tor zur Welt, aber halt auch nur das Tor und nicht die Welt selber. Das mag ich. Es ist groß genug, als dass ich rausblicken kann in die große, verheißungsvolle Welt. Dabei sitze ich sicher in meinem Hafen und genieße den Komfort und die Heimeligkeit einer überschaubaren Welt.

Was hat die denn geschluckt?

Haha das ist klar, der Blick aus der Ferne ist immer ein verklärter. Und ein bisschen Kitsch muss auch sein. Das ist mir klar. Dieser Spruch “Man weiß erst was man hat, wenn man es nicht mehr hat” stimmt nun mal.

Hamburg, die schönste Stadt der Welt

Das kennen wir alle aus dem Radio und jeder Nicht-Hamburger verdreht die Augen. Wie eingebildet! So ist es aber für mich. Nicht weil es so grün, der Hafen so nostalgisch, die Alster so schick, die Luft so salzig oder die Bäckerin so ehrlich unfreundlich ist. Hamburg bedeutet für mich: Vertrautheit, mit dem Fahrrad zur Arbeit, irgendwie auch der HVV, beim Arzt gedankenlos die Krankenversicherungskarte ‘swipen’, Moin sagen, Erinnerungen – aber vorallem Familie und Freunde. Spontan treffen, essen, zum Sport, Flohmarkt – whatever. Die Lieben im Umkreis von 10 Kilometern wissen, auch wenn man sich nicht regelmäßig meldet. Reden ohne nachzudenken, ohne nach den richtigen Worten zu suchen, in Nuancen reden können, zwischen den Zeilen reden, und auch Blödsinn reden. Auch das will gelernt sein.

Hinter all dieser Sehnsucht, sei sie verklärt oder nicht, und in die ich mich gerne manchmal flüchte, wenn es mir zu bunt wird, steckt aber auch die Sorge, wie  wir wieder in einer ‘normalen’ Stadt leben werden können. Ohne diesen ständigen Input, den täglichen Wahnsinn, die Diversität an Menschen, Essen, Kultur und die laisser-faire-Kultur, für die New York so bekannt ist.

Dat wird schon!

Ich bin sicher, dass es wieder seine Zeit brauchen wird, sich zu gewöhnen.
Was ich bislang gelernt habe, ist, dass der Gewöhnungsprozess im Moment des Gewöhnens langwierig sein kann und auch Momente des Missgefallens und des ständigen Vergleichens hervorbringt (‘In Hamburg ist alles besser!’ ‘Wieso, in Hamburg funktioniert das doch auch mit den Stoffbeuteln!’). Aber wenn man diese Phase einmal überwunden hat, ist es um so schöner und man ist überrascht von sich selber, wie flexibel und gewissermaßen tolerant man ist. Es ist dann wie ein Stretching für Gehirn und Gefühle.

Aber was ist schon Heimat?

Heimat muss nicht ein Ort sein. Ich habe das Glück, dass ich ein Stück Heimat in Form einer Person, die all die Erinnerungen und Insiders mit mir teilt und deren Kochinteresse und -talent so weit reicht, mir das Essen meiner Familie nachzukochen, bei mir habe. So sitzen wir abends vorm Fernseher, essen Dolma mit Joghurt und schauen den Tatort, Bella Block, die Heute Show, Lanz kocht… oder hören NDR 90,3.

In diesem Sinne: Auch wenn ich mich in New York wohlfühle und das Leben genieße, bis bald in ungenauer Zukunft, Hamburch, ich freu mich!

 

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